Offener Brief im Wall Street Journal vom 27. Januar 2012, unterzeichnet von
16 prominenten Wissenschaftlern, darunter Richard Lindzen, William Kininmonth, Wil Happer, Nir Shaviv, sowie der Luft- und Raumfahrtingenieur Burt Rutan und Apollo 17-Astronaut Dr. Harrison Schmidt.

Nur keine Panik wegen dem Klimawandel

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Wer sich als Kandidat für ein öffentliches Amt in heutigen Demokratien bewirbt, muss sich eine Meinung zur Frage bilden, ob und was gegen den „Klimawandel“ zu unternehmen ist. Die Kandidaten sollten aber wissen, dass die stetig wiederholte Aufforderung von seiten nahezu aller Wissenschaftler, etwas Dramatisches gegen den Klimawandel zu tun, eine Unwahrheit birgt: Tatsächlich hält nämlich eine immer größere Zahl von herausragenden Wissenschaftlern und Ingenieuren ein drastisches Handeln gegen die Erwärmung für unnötig.

Im September hat der Physiker und Nobelpreisträger Ivar Giaever, während der letzten Wahl ein Anhänger von Präsident Obama, öffentlich seinen Austritt aus der American Physical Society (APS) erklärt mit einem Schreiben, das wie folgt beginnt: „Ich habe [meine Mitgliedschaft] nicht erneuert, weil ich diese Aussage [zur Position der American Physical Society] überhaupt nicht teile: ‚Die Beweislage ist unumstößlich: Der Klimawandel ist im Gange. Ohne Abschwächungsmaßnahmen werden wahrscheinlich deutliche Einschnitte bei den physikalischen und ökologischen Systemen, den Sozialsystemen, der Sicherheit und der menschlichen Gesundheit erfolgen. Wir müssen sofort mit der Verminderung der Treibhausgasemissionen beginnen.‘ In der APS ist es OK zu diskutieren, ob sich die Masse von Protonen im Laufe der Zeit ändert und wie sich ein Universum mit Parallelwelten verhält, aber der Nachweis der globalen Erwärmung soll unbestreitbar sein?

Trotz einer jahrzehntelangen internationalen Kampagne zur Verbreitung der Botschaft von der Zerstörung der Zivilisation durch den zunehmenden Anteil des „umweltverschmutzenden“ Kohlendioxids in der Atmosphäre, teilt eine große Zahl von Wissenschaftlern, darunter viele herausragende, die Ansichten von Dr. Giaever. Auch steigt die Zahl der wissenschaftlichen „Häretiker“ mit jedem Jahr. Der Grund liegt in der Ansammlung von harten wissenschaftlichen Fakten.

Die vielleicht unangenehmste Tatsache [für die Klima-Alarmisten] ist das Ausbleiben der globalen Erwärmung seit mehr als 10 Jahren. Die Erwärmungsapostel wissen das, wie man aus der 2009er „Climategate“-E-mail des Klimatologen Kevin Trenberth ersehen kann: „Tatsache ist, dass wir das Ausbleiben der Erwärmung nicht erklären können und das ist schlimm.“ Aber das Ausbleiben einer Erwärmung hat nur Bedeutung, wenn man an Computermodelle glaubt, wo sogenannte Rückkopplungen von Wolken und Wasserdampf die geringe Auswirkung des CO2 ungemein verstärken.

Das Ausbleiben einer Erwärmung seit mehr als einem Jahrzehnt – in der Tat: geringer als vorhergesagt in den 22 Jahren, seit das UN-Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) mit seinen Vorhersagen begonnen hat – legt nahe, dass die Computermodelle grob übertrieben haben, wie viel Erwärmung von zusätzlichem CO2 verursacht wird. Angesichts dieser Blamage haben die Alarmschläger ihr Feurio-Geschrei von der Erwärmung auf die Wetter-Extrema verlegt mit dem Ziel, alles außergewöhnliche Geschehen in unserem chaotischen Klima dem CO2 anzulasten.

Tatsächlich ist CO2 kein Umweltverschmutzer. CO2 ist ein farb- und geruchloses Gas, das in hoher Konzentration von jedermann ausgeatmet wird und eine Schlüsselkomponente im Lebenszyklus der Biosphäre ist. Pflanzen geht es mit mehr CO2 besser. Die Besitzer von Treibhäusern erhöhen häufig die CO2-Konzentration um den Faktor drei oder vier, um besseres Wachstum zu erzielen. Das ist keine Überraschung, denn Pflanzen und Tiere sind entstanden, als die CO2-Konzentration etwa 10- mal höher als heute war. Höhere Pflanzenvielfalt, Kunstdünger und Ackerbaumanagement haben zum hohen Anstieg der landwirtschaftlichen Erträge im vergangenen Jahrhundert beigetragen, aber ein Teil davon geht mit Sicherheit auch auf das Konto von zusätzlichem CO2 in der Atmosphäre.

Unser blauer Planet und seine am linken Rand erkennbare Atmosphäre

Die Zahl der öffentlich widersprechenden Wissenschaftler steigt. Auch Nachwuchswissenschaftler sagen heimlich, dass sie aus Angst vor Karriereknicks oder vor noch Schlimmerem ihre Meinung nicht laut sagen könnten, obwohl sie ernsthafte Zweifel an der Botschaft von der globalen Erwärmung hätten. Sie haben allen Grund dazu. Im Jahre 2003 wagte Dr. Chris de Freitas, Herausgeber des Journal Climate Research, die Veröffentlichung eines fachbegutachteten Artikels mit der politisch inkorrekten (aber faktisch richtigen) Schlussfolgerung, dass die jüngste Erwärmung nicht ungewöhnlich im Kontext der Klimaveränderungen während der vergangenen tausend Jahre gewesen wäre. Das internationale Erwärmungs-Establishment hat rasch eine entschiedene Kampagne losgetreten, um Dr. de Freitas von seinem Herausgeberjob und aus seiner Universitätsposition zu entfernen. Glücklicherweise konnte Dr. de Freitas seinen Universitätsjob behalten.

So darf es nicht weitergehen. So etwas hat es früher schon einmal gegeben, z. B. während der schrecklichen Zeit, als Trofim Lyssenko die Biologie in der Sowjetunion beherrschte. Sowjetische Biologen, die erkennen ließen, dass sie an Gene glaubten, die Lyssenko für eine bourgeoise Phantasie erklärte, wurden aus ihren Positionen entfernt. Viele kamen in den GULAG, einige wurden sogar zum Tode verurteilt.

Warum gehen die Leidenschaften um die globale Erwärmung so hoch, warum wurde diese Angelegenheit so quälend, dass sich die American Physical Society, von der sich Dr. Giaever vor einigen Monaten verabschiedet hat, weigerte, eine anscheinend so vernünftige Forderung der Mitglieder auf Entfernung des Wortes „unumstößlich“ aus ihrer wissenschaftlichen Positionsbeschreibung zu entfernen? Es gibt mehrere Gründe, ein guter Anfang ist die alte Frage „CUI BONO?“, oder in moderner Form: „Verfolge die Geldströme.“

Klima-Alarmismus birgt große Vorteile für Viele, er sichert Regierungsfinanzierung für wissenschaftliche Forschung und liefert einen Grund für Bürokratiewachstum. Alarmismus liefert den Regierungen auch Begründungen für Steuererhöhungen, für Zuschüsse auf Steuerzahlerkosten zu Geschäftsmodellen, die verstehen, das politische System für ihre Zwecke zu nutzen. Er verführt zu großen Spenden an wohltätige Stiftungen, die versprechen, die Welt zu retten. Lyssenko und seine Anhänger lebten sehr gut, und sie verteidigten ihr Dogma mit Klauen und Zähnen und die damit verbundenen Privilegien.

Allen Kandidaten für öffentliche Ämter möchten wir namens vieler Wissenschaftler und Ingenieure, die sich sorgfältig und unabhängig voneinander mit der Klimawissenschaft beschäftigt haben, diese Botschaft zurufen: Es gibt kein zwingendes wissenschaftliches Argument für drastische Handlungen zur „Dekarbonisierung“ der Weltwirtschaft. Selbst wenn man die aufgeblasenen Klimavorhersagen des IPCC akzeptieren würde, wäre eine aggressive Politik zur Steuerung der Treibhausgase wirtschaftlich nicht gerechtfertigt.

Eine kürzliche Studie des Yale-Wirtschaftsprofessors William Nordhaus zu einem breiten Fächer von Politik-Optionen zeigte, dass das nahezu höchste Nutzen/Kosten-Verhältnis durch eine Politik erzielt wird, die mehr als 50 Jahre ungehindertes Wachstum erlaubt, ohne Behinderungen durch Treibhausgasbegrenzungen. Eine derartige Politik wäre besonders günstig für die weniger entwickelte Welt, die gerne an den erreichten Vorteilen der voll entwickelten Welt beim materiellen Wohlstand, beim Gesundheitswesen und bei der Lebenserwartung teilhaben möchte. Viele andere politische Antworten führen zu negativen wirtschaftlichen Ergebnissen. Wahrscheinlich wäre mehr CO2 und eine damit verbundene geringe Erwärmung insgesamt eine Wohltat für die Erde.

Wenn die Amtsträger unbedingt „etwas wegen des Klimas zu unternehmen” möchten, empfehlen wir die ausgezeichneten Wissenschaftler zu fördern, die unser Verständnis vom Klima vertiefen, indem sie die gut entworfenen Mess-Instrumente an Bord von Satelliten, in den Weltmeeren und an Land benutzen und Beobachtungsdaten analysieren. Je besser wir das Klima verstehen, umso eher können wir mit seiner immerwährenden Veränderung umgehen, mit der sich der Mensch während seiner gesamten Geschichte plagen musste. Viele der riesigen privaten und regierungsseitigen Investitionen ins Klima bedürfen allerdings dringend einer kritischen Überprüfung.

Jeder Kandidat sollte vernünftige Maßnahmen zum Schutz und zur Verbesserung unserer Umwelt unterstützen, aber es ist völlig unsinnig, auf teure Programme zu setzen, die Ressourcen vom wirklichen Bedarf abziehen, und die auf alarmierenden aber unhaltbaren Behauptungen von „unumstößlichen” Beweisen beruhen.

Die Unterzeichner:

  • Claude Allegre, former director of the Institute for the Study of the Earth, University of Paris;

  • J. Scott Armstrong, cofounder of the Journal of Forecasting and the International Journal of Forecasting;

  • Jan Breslow, head of the Laboratory of Biochemical Genetics and Metabolism, Rockefeller University;

  • Roger Cohen, fellow, American Physical Society;

  • Edward David, member, National Academy of Engineering and National Academy of Sciences;

  • William Happer, professor of physics, Princeton;

  • Michael Kelly, professor of technology, University of Cambridge, U.K.;

  • William Kininmonth, former head of climate research at the Australian Bureau of Meteorology;

  • Richard Lindzen, professor of atmospheric sciences, MIT;

  • James McGrath, professor of chemistry, Virginia Technical University;

  • Rodney Nichols, former president and CEO of the New York Academy of Sciences;

  • Burt Rutan, aerospace engineer, designer of Voyager and SpaceShipOne;

  • Harrison H. Schmitt, Apollo 17 astronaut and former U.S. senator;

  • Nir Shaviv, professor of astrophysics, Hebrew University, Jerusalem;

  • Henk Tennekes, former director, Royal Dutch Meteorological Service;

  • Antonio Zichichi, president of the World Federation of Scientists, Geneva.

 

No Need to Panic About Global Warming. The Wall Street Journal, 27. Januar 2012. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Helmut Jäger, EIKE. Quelle: EIKE News, 1. Februar 2012.

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